#TakeHeartResidenzen 2021/2022

Mit #TakeHeart setzt der Fonds Darstellende Künste im Rahmen von NEUSTART KULTUR – dem von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) finanzierten Rettungs- und Zukunftspaket für den Kultur- und Medienbereich – seine umfassenden Fördermaßnahmen fort. Ziel der neuen Programmlinien ist es, die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Kulturbereich abzumildern, den Wiederbeginn kulturellen Lebens in Deutschland zu befördern, Künstler*innen Planungssicherheit und zugleich neue zukunftsweisende Perspektiven für die Entwicklung der Freien Darstellenden Künste zu ermöglichen.

Im Folgenden stellen wir vor, welche Residenzen am TOR 6 Theaterhaus mit Unterstützung des Theaterlabors umgesetzt werden.

1.12.2021 bis 31.1 2022
Karin Wedeking „Wunderkammer“

Was ist Kreativität, wodurch entsteht sie, und wodurch wird sie gefördert oder blockiert?
Acht Wochen auf der Suche nach den kreativen Aha-Momenten, die aus dem Unbewußten entstehen. Was kommt dabei heraus? Alles ist offen: Unwillkürliche Arbeit mit Materialien, Worten und dem Körper, ohne die Trennung von Arbeit und Freizeit, Alltag und kreativem Schaffen. Kreative Prozesse, die aus Ruhe und Muße und Spontaneität entstehen. Das divergente Denken soll über das konvergente Denken herrschen.
Das Entstehen-Lassen ohne thematische Leitlinie und ohne definiertes Ziel bildet die Grundlage für diese Residenz. Ein Blick in den Mikrokosmos eines künstlerischen Ichs, das nichts aussagen will, und doch etwas sagt.

01.01.2022 bis 28.02.2022

Josef Bäcker „Erbe und Eigentum“

15 Gespräche mit unterschiedlichen Menschen. Verschiedene Spuren. Eine Recherche. Eine Suche. Videografische Dokumentation. Was wollen wir vererben? Was ist unser wichtigstes Eigentum? Wie geht vererben richtig? Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. – Artikel 14 Absatz 2 Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Aber was heißt das konkret? Wer ist diese Allgemeinheit? Sind das nicht wir alle? Also her mit dem Wohle. Her mit der Kohle!

01.11.2021 – 31.12.2021
Thomas Behrend „Jacob Pins – ein künstlerischer Annäherungsversuch“

Der Maler und Grafiker Jacob Pins wurde am 17. Jan. 1917 in Höxter geboren. Er floh vor der nationalsozialistischen Judenverfolgung nach Palästina, nahm aber nach dem Ende des Dritten Reiches den Kontakt zu seiner Geburtsstadt Höxter wieder auf und stiftete ihr 2003 einen umfangreichen künstlerischen Nachlass.

Um den Nachlass zu verwalten, wurde das Forum Jacob Pins mit der Jacob Pins Gesellschaft geschaffen. So ist der Nachlass für die Öffentlichkeit zugänglich.

Während meiner Residenz besuchte ich das Forum in Höxter und bekam eine exklusive Führung durch die Ausstellung. Darüber hinaus wurde mir umfangreiches Material zur Verfügung gestellt, vor allem der komplette Briefverkehr des Künstlers. Das Studium der Briefe an und von Jacob Pins und die Sichtung anderer Informationsquellen über den Künstler half mir, als Künstler Verständnis für seine Motivation zu entwickeln, nach Ende des sog. Dritten Reiches wieder Kontakt mit seiner deutschen Heimat aufzunehmen. Mich interessierte, wie er die Ermordung seiner Familie verarbeitet hat und ob sich sein Verhältnis zu seiner Geburtsstadt geändert hatte. Aus der umfangreichen Briefkorrespondenz konnte ich ein Bild seiner Persönlichkeit ableiten, das durch das Studium anderer Quellen ergänzt wurde.


01.02. bis 31.03.2022:
nö theater „Funktioniert Theater ohne Macht?“

In den letzten Jahren häufen sich die Vorwürfe an deutschen Theatern. Häufig sind diese gegen die Leitung oder die allgemeinen Strukturen am Haus gerichtet. Dabei sind die Gründe der Empörung so bunt und vielfältig wie die Theaterszene selbst. Sie reichen von ungerechter Bezahlung, über Mobbing bis hin zu sexuellem Missbrauch.
Im Rahmen der Recherche werden folgende Fragen untersucht: Wird Machtmissbrauch am Theater durch die dort vorherrschenden veralteten, hierarchischen Machtstrukturen begünstigt – vielleicht sogar
ermöglicht? Oder braucht es eine klare Hierarchie für einen reibungslosen künstlerischen Prozess? Ist eine so steile Hierarchie, wie sie derzeit an deutschen Theater vorzufinden ist, vereinbar mit grundlegenden Werten?

01.02. bis 31.03.2022
Laura Parker, Krischan Rudolph, Alina Tinnefeld „Keine Ursache“

Eine künstlerische Annäherung mittels Schauspiel, Film und Musik an Posttraumatische Belastungsstörungen
(PTBS). Künstler:innen aus Bielefeld & Köln loten physische und filmische Möglichkeiten der szenischen
Darstellung von emotionalen Zuständen aus, auf Grundlage von Erfahrungen & Interviews, und beschäftigen sich
mit Ansätzen und Formaten, dem Betroffene und Nicht-Betroffene beiwohnen können.

01.02.2022 – 31.03.2022
Felix Falczyk / Johanna Herschel „Bewegungsrecherche zu (Radio-)Nachrichten“

 
In den zwei Monaten der Residenz “Bewegungsrecherche zu (Radio-)Nachrichten” wird nach einer spekulativen Tanzpraxis geforscht. In dem Zeitraum wird regelmäßig zu Radio-Nachrichten getanzt, um zu untersuchen, welche choreographische Prinzipien sich daraus ableiten lassen. Dabei werden verschiedene Praktiken der Zweckentfremdung des Nachrichtenhörens entwickelt. Nachrichten richten unsere Körper aus, ordnen sie an und setzen sie zueinander in Verhältnis. Lässt sich durch die Frage nach einem körperlichen Verhältnis zu Nachrichten ganz allgemein danach fragen, was Tanz, Musik oder Bewegung sein könnten? Wird durch das immer stärker werdende Aufkommen von Fake News ein New(s) Dance notwendig?
https://www.instagram.com/deepfake_situations/

 

1.11.2021 – 31.12.2021

Michael Grunert „Wohnungslos“

Wie sieht der Alltag von Obdachlosen aus? Wie sieht ihr Blick auf die Stadt aus? Gibt es soziale Verbindungen zwischen den Obdachlosen?
Ich spreche mit Betroffenen, Streetworkern, Mitarbeiter*innen von Ämtern, Institutionen. Ich lese Romane, in denen Existenzen auf der Straße und ihre Überlebensstrategien Thema sind. Im Anschluss an die Residenz möchte ich Choreografien und eine szenische Arbeit mit Objekten entwickeln.

01.02. bis 31.03.2022
Iduna Hegen, Noriko Seki, Friedrike Daumiller, Kaveh Ghaemi und Julia Gotzmann
„Heter*Utopia“

HETER*UTOPIA verbindet die Worte Heterotopie (andere Orte) und Utopie (Nicht Orte) miteinander. Wir gehen davon aus, dass unmittelbare zwischenmenschliche Begegnungen friedenstiftend wirken und es dafür geschützte Räume bedarf, losgelöst von gesellschaftlichen Konventionen. Begegnung ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Doch wann sind wir offen und bereit für eine Begegnung? Wie entsteht eine Begegnung? Wie können wir KünstlerInnen mit den Mitteln des Raumes, des Lichtes und Schattens, mit Ritualen, durch Performance und innerer Haltung zwischenmenschliche Begegnungen erzeugen? Wie verändert die Stille Begegnungen? Welchen Einfluss hat eine natürliche Umgebung auf sie? Welche Bedürfnisse und Sehnsüchte liegen einer Begegnung zu Grunde? Welche Widerstände und Ängste können auftreten? Diesen und weiteren Fragen stellen wir fünf KünstlerInnen aus Schauspiel, Clownerie, Tanz, Design und Philosophie uns, auf der Suche nach der unmittelbaren Begegnung.

01.02. bis 31.03.2022
Agnetha Jaunich „Building an inside eye on dramaturgy prozesses“

Von Innen nach Außen treten und wieder hinein schauen. Sich selbst hinterfragen ohne sich zu verurteilen oder zu sabotieren. Sich fragen und selbst antworten. Ein Teil davon sein und doch einen objektiven Blick beibehalten.
Agnetha Jaunich möchte sich in der Residenz mit dem dramaturgischen Blick auf ihre eigenen inszenatorischen Arbeiten beschäftigen.
Inszenierungen werden nochmals aus verschiedenen Blickwinkeln analysiert, Szenen dekonstruiert und das eigene Werk konstruktiv hinterfragt.
Ist es möglich gleichzeitig in einem Prozess als Künstlerin beteiligt zu sein und trotzdem einen „objektiven“ dramaturgischen Blick auf die eigene Arbeit zu werfen?

Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR.