"So weit haben sie es gebracht. Ich habe Angst vor dem Leben. Kein Mensch sollte sich vor seinem Leben fürchten."

Daniil Charms, 1939

DIE ALTE // NACH DANIIL CHARMS (2001)

Auch der Schriftsteller in Daniil Charms Stück „Die Alte“ fürchtet sich. Wer ist die namenlose alte Frau, die in sein Zimmer eingedrungen ist, um dort zu sterben? Mit der Unbekannten schleicht sich die Paranoia in das von Existenznöten geprägte Leben des Schreibers. Die tote Alte hindert ihn am Schlafen, Essen und am Lieben. Allmählich verschwinden die Grenzen der Wirklichkeit. Ist die tote Frau in seinem Lieblingssessel nur eine Fiktion, die Ausgeburt einer überreizten Schriftsteller-Phantasie? Oder ist sie real und hat er sie vielleicht umgebracht? Wie dem auch sein, er muss die Leiche loswerden, wenn er am Leben und bei Verstand bleiben will.

Die Schauspieler Michael Grunert und Jürgen Nentwig schlüpfen in dieser skurrilen Komödie in wechselnde Rollen. Ihr virtuoses Spiel unter der Regie von Leopold Altenburg ist die Hommage an einen Autor, den „das Leben nur in seinen unsinnigen Erscheinungen interessiert.“

Termine

15.12.2001 – Premiere

28. und 29. Februar 2020, jeweils 20:00 Uhr

"Gestern hat Papa zu mir gesagt, solange ich Charms bleibe, wird mich die Not verfolgen."

Daniil Charms, 1936

Daniil Ivanovitsch Juwatschew, geboren am 30.12.1905 in St. Petersburg, verdiente seinen Lebensunterhalt als Kinderbuchautor. Unter dem Namen Daniil Charms, der ein Wortspiel aus „Charme“ und „Sherlock Holmes“ ist, verfasste er futuristische Lyrik und Prosa. Aufgrund seiner regimekritischen Haltung wurde Charms wiederholt verhaftet, frei gelassen und erneut arrestiert, um schließlich im Leningrader Kresty-Gefängnis vergessen zu werden. Im Februar 1942 fand man ihn verhungert in seiner Zelle.

Regie
Leopold Altenburg

Bühne
Tom Dombrowski

Kostüme
Christin Vinke

mit
Michael Grunert, Jürgen Nentwig