Während im großen Saal unseres Hauses weiterhin das Stadttheater mit seinem zweiteiligen Tanzstück 360° zu Gast ist, widmen wir uns im kleineren Studio 1 im Februar ganz dem russischen Autor Daniil Ivanovitsch Juwatschew.
Juwatschew, besser bekannt unter seinem Pseudonym Daniil Charms, das ein Wortspiel aus „Charme“ und „Sherlock Holmes“ ist, verfasste futuristische Lyrik und Prosa. Aufgrund seiner regimekritischen Haltung wurde Charms wiederholt verhaftet, frei gelassen und erneut arrestiert, um schließlich im Leningrader Kresty-Gefängnis vergessen zu werden. Vor genau 84 Jahren, im Februar 1942, fand man ihn verhungert in seiner Zelle.
Seine Erzählung „Die Alte“ brachten Michael Grunert und Jürgen Nentwig vor mittlerweile 25 Jahren zum ersten Mal auf die Bühne. Seither steht das Stück in jedem Jahr auf unserem Spielplan.
In diesem Jahr haben sich die beiden Schauspieler Grunert und Nentwig dann erneut tiefer mit dem Autor beschäftigt, denn in einer Gegenwart, in der autoritäre Systeme wieder erstarken und Meinungsfreiheit weltweit unter Druck steht, lesen sich Charms Texte nicht nur historisch, sondern wirken erschreckend gegenwärtig. Sein Werk zeigt eine Welt, in der Logik zerbricht: Menschen fallen grundlos aus Fenstern, Gespräche enden sinnlos, Gewalt passiert ohne Erklärung. Das fühlt sich heute erstaunlich nah an – in einer Zeit von widersprüchlichen Nachrichten, Fake News und politischem Zynismus. Seine Texte spiegeln das Gefühl: Nichts ergibt Sinn, aber alles hat Konsequenzen.
Die entstandene Performance „Ich bin einer wie alle, nur besser“ mit Michael Grunert und Jürgen Nentwig feiert am 27.02. Premiere und wird begleitet von Informationen zu der Situation von Künstlern im Russland unter Putin.