KRISE – TRAUMA – HOFFNUNG (2016 BIS 2018)

Künstlerische Begegnungen in europäischen Krisengebieten und jenseits der Grenzen. Ein transnationales Interventionsprojekt.

Seit dem Jahr 2016 forscht das Theaterlabor zu aktuellen Krisenherden im Rahmen des Projekts „Krise Trauma Hoffnung – transnationale Interventionen“, das sich um mehrere zentrale Fragestellungen entwickelt hat, wie etwa der Alltagserinnerung an „eingefrorene“ Konflikte und dem künstlerischen Umgang mit ihnen. In diesem Zusammenhang erarbeitet das Theaterlabor Koproduktionen mit Partnern in Irland, Frankreich, Serbien und der Ukraine.

Krise Trauma Hoffnung ist ein Projekt von Theaterlabor Bielefeld e.V., das in den Jahren 2016 bis 2018 realisiert wurde. Das Projekt wurde gefördert von der Kunststiftung NRW und wurde im Rahmen von Szenewechsel, einem Programm der Robert Bosch Stiftung und des Internationalen Theaterinstituts gefördert. JUNGE TRIEBE wurde von der Sparkasse Bielefeld finanziert.

Bisherige Projekte

Straßentheaterperformance in Wolxheim und Strassburg (20./21. November 2018)

Ein dreisprachiges (Straßentheater)-Projekt mit Performern und Performerinnen aus Zürich, Paris, Berlin, Strassburg und Bielefeld in Kooperation mit `Association Arsène`.

Zwischen dem 12. und 22. November 1918 wurden in Elsass-Lothringen gleich zwei Republiken ausgerufen. „Nicht deutsch, nicht französich, nicht neutral“. Unsere Performance erinnert vor Ort an die Ereignisse. Originale Flugblätter wurden verteilt und Texte aus der Zeit in Deutsch, Französisch und Elsässisch vorgetragen. Fotos und Videos, die vor genau 100 Jahren in Strassburg und Umgebung aufgenommen wurden, dienten uns als Grundlage für Standbilder und wurden auf die Polyeder projiziert. 

Viele Zuschauer und Passanten kannten die Ereignisse vor 100 Jahren kaum und lauschten interessiert – eine kleine Geschichtsstunde `en passant`.

“Krise Trauma Hoffnung” Präsentationsforum (15. bis 19. November 2017)

Brexit, unheimliche Wahlergebnisse, ein antidemokratisches Rollback vielerorts – Europa ist in der Krise wie lange nicht mehr. Doch es ist nicht nur die Gegenwart, die ungewiss scheint, denn die Krise ist vielerorts aufs Engste mit der Geschichte verbunden. Ethnische und religiöse Konflikte, die als „eingefroren“ und durch den Alltag übertüncht galten, scheinen wieder kurz vor dem Ausbruch. Als Ergebnis längst ausgefochtener Kämpfe erwirkte soziale und identitätspolitische Errungenschaften werden plötzlich in Frage gestellt. Die Phase der relativen Ruhe in Europa scheint vorüber. Es ist Aufgabe der Kunst- und Theaterschaffenden, Antworten und Reaktionen auf die sich neu formierenden Bedrohungen zu finden.

„Krise Trauma Hoffnung“ als Gründungsprojekt des International Laboratory Ensembles des Theaterlabors ist eine solche Reaktion. Gemeinsam mit Kollektiven aus betroffenen Regionen wollen wir die historischen Wurzeln der Krisen wie auch die möglichen Wege daraus künstlerisch ergründen.

Veranstaltungsübersicht

Mittwoch 15.11.
Foyer, 18 bis 19 Uhr
offizielle Eröffnung mit Reden, Häppchen und Musik

Saal, 19 Uhr
Smashing Times Theatre Company „The Woman is Present“

Studio 1, 21 Uhr
Präsentation Theaterlabor und Plavo Pozoriste

Donnerstag 16.11.
Foyer, 14 bis 15:45 Uhr
Training und Gespräch Plavo Pozoriste

Foyer, 16:15 bis 18 Uhr
Vortrag und Präsentation Smashing Times Theater Company

Stadtgebiet (ggf. TOR 6 Theaterhaus), 19 Uhr
Zee Upitis und Theaterlabor „Divided Together: Videowalk“

Freitag 17.11.
Studio 2, 11 bis 13:00 Uhr
Workshop Nicole Nagel

Foyer, 14 bis 15:45 Uhr
Vortrag und Präsentation Nicole Nagel

Foyer, 16:15 bis 18 Uhr
Vortrag Kultura Medialna

Foyer, 19 Uhr
Theaterfilm „Mein Nikolajewa“ (Regie: Yelizaveta Smith, Georg Genoux)

Saal, 21 Uhr
Plavo Pozoriste „Daydream – A Story from Terezin“

Studio 2, 22 Uhr
Anton Romanov „The Map of Identity / Hatespeech“

Samstag 18.11.
1. Etage, 16:30 Uhr
Gruppe UBU „mitworten&ohneworte“

Studio 2, 18:30 Uhr
Vortrag und Präsentation Jamel

Studio 1, 20 Uhr
Theaterlabor und Studio de Bakkerij „Hikikomori“

Foyer, 22 Uhr
Party

Sonntag 19.11.
Foyer, tagsüber
Festivalausklang

Saal, 20 Uhr
Theaterlabor und Smashing Times „How far, Antigone?“

JAMEL 2

Choreographie für sechs Stimmen in absurd moll (furioso non cantabile)

Nach der erfolgreichen Teilnahme beim Festival im letzten Jahr erarbeitet das Theaterlabor Bielefeld nun eine Produktion speziell für das Festival „Jamel rockt den Förster“. Jamel ist ein kleines Dorf in der Nähe von Wismar, das dadurch bekannt wurde, dass es mittlerweile mehrheitlich von Neonazis bewohnt wird. Die Familie Lohmeier leistet seit zehn Jahren Widerstand und organisiert ein kleines Rockfestival.

Aufführung: 26. August 2017 in Jamel

29.5. bis 9.6.17 Workshop in Dnipro (Ukraine)
19.6. bis 30.6.17 Workshop in Bielefeld

Im Zeitraum 2016 bis 2018 sucht das Theaterlabor Begegnungen mit internationalen Theatern und wird in Regionen arbeiten, in denen die Krisen hautnah spürbar sind. Eine Reihe internationaler Projekte und Kooperationen wird Künstler und Betroffene zusammenbringen, um die Sprachlosigkeit zu überwinden.Dabei haben wir gesellschaftspolitische Interventionen zum Ziel. Als Katalysator für die in einem Zeitraum von drei Jahren stattfindenden Begegnungen möchte das Theaterlabor mit Künstlern und soziokulturellen Gruppen zusammenarbeiten, von und mit ihnen lernen und einen Prozess in Gang setzen, der in kürzester Zeit künstlerische Resultate hervorbringen soll.

Im Jahr 2017 arbeiten wir mit den folgenden Künstlern oder Organisationen und in folgenden Regionen: Kultura Medialna und Egons Upitis (Dnipro/Ukraine), Smashing Times Theatre (Dublin/Irland), Jamel rockt den Förster (Jamel/Mecklenburg-Vorpommern), Plavo Pozoriste (Belgrad/Serbien).
Im Mai und Juni fliegen wir zunächst in die Ukraine und geben beim Kultura Medialna Festival in Dnipropetrovsk einen Workshop, der vom Filmemacher Egons Upitis begleitet wird
Ende Juni findet die erste intensive Arbeitsphase zur Entwicklung von Stimm- und Bewegungsmaterial statt. Außerdem wird Neil Paris einen Workshop geben (siehe oben). Im Juli folgt dann eine Recherchephase für die Koproduktion mit dem Smashing Times Theatre (Dublin), die im September geprobt wird. Alle Arbeiten werden im November in Bielefeld im Rahmen eines Festivals präsentiert.

Workshop with Neil Paris

„Exploring Creativity through Movement“

24. und 25.06.17
11:00 bis 17:00

The workshop will deal with two differing approaches to exploring creativity through movement. It will begin with exercises that ground and connect us to our individual bodies and enter us into our imaginary worlds. From this place we will explore how we move together and find connections to movement, other people, music and the space around us. The focus will then shift to contrasting, playful exercises which allow us to use a more exuberant energy and to experience the different creative opportunities this provides. Combining these two approaches we will seek to create new relationships, dances and compositions.

Neil Paris is a dance theatre artist from Norwich, England who works as a choreographer, director, performer and teacher. He is director of SMTH dancetheatre and works with diverse groups of people using dance, theatre and the voice.

Places are limited.   Minimum age for this course is 17 yrs.  The workshop will be held in English.   For enquiries or booking contact Yuri Anderson (yuri.anderson@theaterlabor.de).

November 2016

Zum Auftakt des Projekts lädt das Theaterlabor den in London lebenden lettischen Dokumentarfilmer Egons Upitis ein, um seinen neusten Film „Frontier Church“ mit anschließendem Publikumsgespräch zu präsentieren. „Frontier Church“ ist eine Reise durch den vom Krieg zerrütetten ukrainische Donbass. Der Film zeigt die gespenstische und surreale Athmosphäre der Region und die Beziehung ihrer Einwohner zur orthodoxen Kirche in Ritus und Alltag; er legt die Ängste und Zweifel der Soldaten offen und wirft ein Licht auf das Selbstverständnis eines Priesters im Krieg.

Frontier Church (2015) – 31min
Russisch/Ukrainisch mit Englischen Untertiteln

Termin: 21.11.16, 20 Uhr
Ort: Filmhaus, Offkino

Bisherige Ansätze

Zur zentrale Region des Austausches haben sich interessanterweise die britischen Inseln und Irland entwickelt. Hier sind gleich mehrere Krisenherde zu verzeichnen.

  1. Nordirland
    Eine erste Kontaktaufnahme zur Queens University Belfast fand über das Sekretariat der School of Creative Arts im März 2016 statt. Seitdem sind wir im Austausch mit Dr. Kurt Taroff, Director of Education—School of Creative Arts. Wir haben die Queens University Belfast vom 18. April – 20. April besucht, am 19. April gab es ein Meeting mit Kurt Taroff , bei dem wir über die Arbeit des Theaterlabors berichteten (Lecture Performance). Am 20. April kam es zum Besuch der Abschlusspräsentation der Second Year Students inklusive eines Gesprächs über mögliche Kooperationen. Hier erfuhren wir, dass der Frieden dort nur sehr brüchig sei und ein kleiner Funken ausreichen würde, um erneut zu bewaffneten Konflikten zu führen. Im November 2016 wird es nun einen Workshop für die Studenten der School of Creative Arts geben, angeleitet von Yuri Anderson und Agnetha Jaunich. In diesem Zusammenhang werden wir gemeinsam mit den Studenten über dieses Thema künstlerisch zu reflektieren.

  2. Brexit
    In diesem Zusammenhang haben wir nun einen großen Schwerpunkt unserer Arbeit auf die vom Brexit betroffenen Länder und unsere Kontakte, die wir dort haben, gelegt und werden in den nächsten Jahren eine Reihe von Koproduktionen angehen. Mit der Dubliner „Smashing Times Company“, die auch verschiedene Nachbarschaftsprojekte in Nordirland durchführt, werden wir an einem gemeinsamen Projekt arbeiten, mit dem Leith Theatre aus Edinburgh bereits in diesem Herbst einen weiteren Workshop durchführen, mit dem Ziel 2018 eine große Produktion mit einem internationalen Ensemble in Edinburgh und Bielefeld zu realisieren.

  3. Weitere Kontakte bestehen in Wales, Cornwall und Kent, die wir vertiefen werden.

Der Osten Deutschlands

Wir haben in diesem August zusätzlich zu den Kontaktaufnahmen im Ausland eine Recherchephase in Deutschland eingeplant. Das Theaterlabor geht unweit von dem Dorf Jamel auf Spurensuche. In diesem Dorf hat sich die Neonazi-Szene eine besondere Einflusssphäre geschaffen und terrorisiert einzelne Gegner.

Wir haben Fragen an die Dorfbewohner und die ländliche Bevölkerung der Region. Durch Interviews mit Nachbarn wollen wir herausfinden, wie tief die Gräben bereits sind. Daraus soll eine Toncollage bzw. ein performatives Element entstehen. Zudem wollen wir praktisch mit anpacken. Wir unterstützen die Familie bei der Durchführung ihres Rockfestivals.

Frankreich

Uns interessieren nicht nur aktuelle politische Krisen, sondern auch geschichtliche Ereignisse. Gemeinsam mit unserer Partnerin Association Arsène aus Frankreich haben wir zu einer eher unbekannten Revolution in Elsass-Lothringen recherchiert. Daraus ist eine Straßentheaterperformance entstanden, die wir exakt 100 Jahre später in Wolxheim und Strassburg aufgeführt haben.